
WAS ›SYMPTOME‹ UNS SAGEN WOLLEN
Ängste, Depressionen, Essstörungen, Zwänge, psychosomatische Beschwerden oder Schwierigkeiten in Beziehungen werden häufig als Störungen betrachtet. Als etwas, das möglichst schnell behandelt und beseitigt werden soll.
Doch was wäre, wenn Symptome nicht nur Ausdruck einer Erkrankung sind, sondern auch Hinweise darauf, dass etwas in unserem Leben nicht (mehr) als stimmig erlebt wird?
Manchmal meldet sich über den Körper, was wir lange übergangen haben. Bedürfnisse, die keinen Platz finden. Gefühle, die wir unterdrücken. Konflikte, für die uns die Worte fehlen.
Symptome können eine Sprache sein für das, was wir noch nicht ausdrücken können.
Besonders deutlich wird das bei Kindern und Jugendlichen. Schulverweigerung, Aggressivität, Erschöpfung oder auffällige Leistungsschwankungen können Ausdruck innerer Not sein. Häufig stehen dahinter Konflikte, Überforderungen oder belastende Lebensumstände. Auch familiäre Schwierigkeiten können eine Rolle spielen, über die nicht gesprochen werden darf oder kann.
Was nach außen als störendes Verhalten erscheint, kann ein Versuch sein, auf etwas aufmerksam zu machen.
Seelisches Leiden ist zudem häufig mit Scham und Schuldgefühlen verbunden. Wer leidet, erlebt sich nicht selten selbst als das Problem.
Eine andere Sicht auf Symptome
Die humanistische Psychologie betrachtet seelisches Leiden nicht ausschließlich als Defizit oder Störung. Sie erkennt darin auch den Ausdruck von Erfahrungen, Konflikten und Lebensbedingungen, mit denen ein Mensch nicht zurechtkommt.
Es darf mir schlecht gehen. Denn möglicherweise gibt es gute Gründe dafür.
Angst kann auf eine Bedrohung hinweisen. Erschöpfung kann zeigen, dass wir seit Langem über unsere Grenzen gehen. Körperliche Beschwerden können mit Spannungen zusammenhängen, die wir kaum noch wahrnehmen.
Manchmal haben wir gelernt, wesentliche Seiten unserer Persönlichkeit zurückzuhalten: unsere Wut, unsere Wünsche, unsere Verletzlichkeit oder unser Bedürfnis nach Nähe und Abgrenzung.
Was wir nicht leben dürfen, verschwindet deshalb nicht einfach.
Es kann sich auf anderen Wegen bemerkbar machen – in unserem Erleben, unserem Verhalten und unserem Körper.
In der Körperpsychotherapie geht es deshalb nicht einfach darum, Symptome zum Verschwinden zu bringen. Es geht auch darum, zu verstehen, unter welchen Bedingungen sie entstanden sind. Welche Bedeutung haben sie für den einzelnen Menschen und welche andere Formen der Selbstregulation zu entwickeln.
Dabei ist nicht jedes Symptom eine verschlüsselte Botschaft. Psychische und körperliche Beschwerden können unterschiedliche Ursachen haben und eine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung erfordern.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Wie werde ich das Symptom los? Sondern auch: Was stimmt in meinem Leben nicht mehr – und was müsste sich verändern?