Über mich
„Wer gegen den Strom schwimmt, gelangt an die Quelle.“ – Chinesisches Sprichwort

Mich interessiert nicht zuerst, was an einem Menschen angeblich „falsch“ ist
Psychotherapie hat eine lange Geschichte darin, menschliches Erleben einzuordnen, zu diagnostizieren und zu unterscheiden zwischen normal und nicht normal.
Diese Geschichte ist nicht immer eine gute Geschichte.
Auch Homosexualität wurde über Jahrzehnte psychiatrisch und psychotherapeutisch pathologisiert. Das zeigt für mich, wie vorsichtig wir damit sein sollten, menschliches Anderssein vorschnell zur Störung zu erklären.

An der Körperpsychotherapie hat mich deshalb von Anfang an etwas angesprochen:
das Verständnis dafür, dass Menschen verschieden sind.
Dass wir unterschiedliche Körper haben, unterschiedliche Temperamente, unterschiedliche Möglichkeiten, uns auszudrücken, Nähe herzustellen, Grenzen zu setzen und mit der Welt in Kontakt zu treten. Ich habe erlebt wie schmerzhaft es für Menschen ist in Schubladen einsortiert zu werden und wie entscheidend es für den Verlauf im Leben sein kann, gesehen zu werden.
Und dass vieles von dem, was später als „Problem“ erscheint, einmal eine sehr sinnvolle Antwort auf die Bedingungen gewesen sein kann, unter denen ein Mensch gelebt hat.
Die interessantere Frage ist für mich deshalb häufig nicht:
Was stimmt mit Ihnen nicht?
Sondern:
Wie sind Sie eigentlich so geworden?
Und:
Was davon brauchen Sie heute noch?
Mich interessiert der Moment, in dem für Sie etwas wieder beweglich wird

Das ist etwas, das mich an meinem Beruf nach wie vor fasziniert.
Menschen kommen häufig mit etwas, das sich festgefahren hat.
Sie haben schon hundertmal darüber nachgedacht.
Sie wissen vielleicht sogar genau, warum sie sich so verhalten.
Und trotzdem passiert immer wieder dasselbe.
Ich finde es spannend mitzuerleben, wenn an einer solchen Stelle plötzlich etwas in Bewegung kommt.
Wenn ein Mensch etwas ausprobiert, was bisher nicht möglich erschien.
Wenn ein bekanntes Muster nicht mehr automatisch abläuft.
Und besonders:
wenn etwas Eigenes zum Vorschein kommt.
Etwas, das nicht ich oder andere vorgegeben haben
Manchmal weiß ich genauso wenig wie mein Gegenüber, was daraus entstehen wird.
Genau das finde ich interessant.
Therapie darf auch riskant sein

Veränderung beinhaltet immer ein gewisses Risiko.
Wer etwas verändert, gibt etwas Bekanntes auf, ohne schon genau zu wissen, was danach kommt.
Ich mag diese Momente.
Ich kann Dinge aus einer ganz anderen Perspektive betrachten und habe keine große Scheu davor, eine ungewöhnliche Frage zu stellen oder etwas infrage zu stellen, das bisher selbstverständlich erschien.
Und ich mag es, wenn Menschen mit mir ehrlich sein können.
Man darf mit mir auch Tacheles reden.
Und ich werde das manchmal ebenfalls tun.
Auch Aggression darf mit in den Raum

Ich möchte mich in einer Therapie auch für das zur Verfügung stellen, was im sonstigen Leben vielleicht gerade nicht so leicht mit anderen Menschen gelingt.
Dazu gehört für mich ausdrücklich Aggression.
Aggression wird schnell mit Gewalt oder Zerstörung verwechselt.
Dabei steckt darin auch etwas anderes:
die Energie, nach vorne zu gehen.
Sich abzugrenzen.
Nein zu sagen.
Etwas zu wollen.
Etwas nicht mehr hinzunehmen.
Und etwas zu verändern.
Wenn diese Energie in einer Therapie auftaucht, muss sie deshalb nicht möglichst schnell beruhigt werden.
Wir können neugierig darauf werden.
Stagnation können Sie auch alleine.

Ich halte wenig davon, Menschen über lange Zeit freundlich bei etwas zu begleiten, das sich nicht bewegt.
Natürlich gibt es Zeiten, in denen nichts verändert werden kann oder die Veränderung zunächst im stillen beginnt.
Es gibt Trauer. Krankheit. Verluste. Situationen, die ausgehalten werden müssen.
Und manchmal braucht ein Mensch einfach jemanden, der da ist.
Aber Therapie sollte für mich die Möglichkeit enthalten, dass etwas passiert.
Dass wir etwas riskieren.
Dass eine andere Perspektive auftaucht.
Dass wir etwas ausprobieren.
Dass Sie mir widersprechen.
Dass ich Ihnen widerspreche.
Dass vielleicht etwas entsteht, mit dem keiner von uns gerechnet hat.
Sonst könnten wir uns irgendwann beide fragen, was wir hier eigentlich machen.
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